Der Bewegungsapparat des Hundes: Aufbau, Wachstum und Erkrankungen

28 février 2015

Gelenkig oder eingerostet?

Der Bewegungsapparat des Hundes: Aufbau, Wachstum und Erkrankungen

Hundeanatomie
Der Hund besitzt unabhängig von seiner Größe etwa 300 Knochen,
In der Anatomie des Hundes wird sein Bewegungsapparat in den passiven und aktiven Part aufgeteilt. Der passive Teil besteht hierbei aus Knochen und Gelenken, während Muskeln, Sehnen und Bänder dem aktiven Lager angehören.

Aufbau eines Gelenkes:
Ein echtes Gelenk besteht immer aus mindestens zwei Knochen, die an ihren Gelenkflächen aufeinander treffen und so einen beweglichen Punkt im Skelett bilden. Des Weiteren findet man am Gelenk Knorpel (Am Knochenende), Bänder und die Gelenkkapsel, welche sich um alle Flächen eines Gelenkes spannt. In der so entstandenen Gelenkhöhle befindet sich Gelenkflüssigkeit (Synovia), welche für die Schmierung des Gelenkes, seine Beweglichkeit und die Ernährung des Knorpels sorgt. Dies ist sehr wichtig, da der Knorpel nicht durchblutet ist und sich nur auf diesem Weg ernähren kann. Stabilisiert wird das Gelenk über die entsprechenden Bänder, die je nach Gelenk einen ganz speziellen Verlauf haben.

Gelenkformen:
•    Kugelgelenk: Dies findet man z.B. an Schulter oder der Hüfte. Es besteht aus einem kugeligen Gelenkkopf, der von einer schalenförmigen Gelenkpfanne umfasst wird. Dadurch sind Bewegungen in alle Richtungen möglich.

•    Walzengelenk: Beispiele hierfür sind der Ellenbogen oder das Knie des Hundes. Diese Gelenkarten sind einachsige und besitzen einen walzenförmigem Gelenkkopf. Es sind  Bewegungen in zwei Richtungen möglich, wie zum Beispiel Beugen und Strecken.

•    Schlittengelenk: Dies ist eine spezielles Form des Walzengelenkes, das sich durch knöcherne Führungskämme auszeichnet. Beispiel hierfür ist das Kniegelenk.

•    Unechte Gelenke:. Sie sind durch Knorpelgewebe, Bindegewebe oder Knochengewebe (z.B. Kreuzbein) miteinander verbunden und weisen nicht die gelenktypischen Strukturen (Kapsel, Bänder, Gelenkhöhle) auf. Sie ermöglichen  keine oder nur eine sehr geringe Bewegung.

Hundewachstum
Abhängig von seiner Endgröße ist ein Hund mit 10-24 Monaten ausgewachsen- während die kleinen Rassen am schnellsten ihr Endmaß erreichen (10-12Monate), wachsen die Riesenrassen bis zum 2.Lebensjahr.
Das Wachstum „in die Höhe“ vollzieht sich an den langen Röhrenknochen, wie beispielsweise dem Oberschenkelknochen. An den Enden dieser langen Knochen befinden sich die sogenannten Wachstumsfugen. An diesen Fugen wächst die Knochenmasse bis zu seiner genetisch festgelegten Länge. Die Gene des Hundes bestimmen immer die Endgröße. Der Irrglaube, dass eine großzügige Fütterung die Dogge noch ein wenig höher schießen lässt, ist schlichtweg falsch und vor allem gefährlich für die Knochengesundheit!!

Ist die vorbestimmte Größe erreicht, schließen sich die Wachstumsfugen. Der Zeitraum der Schließung variiert hierbei von Knochen zu Knochen und von Rasse zu Rasse. Das Wachstum vollzieht sich in einer festgelegten Wachstumskurve, die individuell abhängig von Rasse, Geschlecht und Fütterung verläuft. Hier kann der Hundebesitzer demnach entscheidend eingreifen, was unbedingt vermeiden werden muss! Das Einhalten dieser natürlichen Wachstumskurve ist sehr wichtig, damit der Bewegungsapparat zu keinem Zeitpunkt zu intensiv belastet wird. Bis zum 6. Lebensmonat verläuft diese Kurve besonders steil- das heißt der Hund wächst sichtlich schnell. Ab dem 6. Lebensmonat verlangsamt sich das Wachstum merklich und die Kurve flacht ab. Nach Erreichen der endgültigen Größe schließen sich die Wachstumsfugen und der Knochen ist im Anschluss voll belastbar.

Für viele dieser Gelenksleiden gilt, dass ihr Grundstein schon im Welpenalter in der Entwicklungsphase gelegt wurde. Gerade bei großen Rassen sind die gesunde Aufzucht und der Einsatz einwandfreier Elterntiere essentiell für einen gesunden Bewegungsapparat. Humpelnde Doggen und watschelnde Retriever sind nicht nur ein schmerzvoller Anblick sondern können durch die richtige Prophylaxe unter Umständen vermieden werden.
Die Einhaltung der natürlichen Wachstumskurve ist hierfür ein richtiger Grundstein. Hierfür muss die Fütterung des Welpen ausgewogen sein und es  darf ihm nicht mehr Energie in den Fressnapf gefüllt werden, als er tatsächlich benötigt. Mangelernährung, Übergewicht und Überdosierungen von Mineralstoffen können zu Schäden am Welpenskelett und damit zu Problemen im Erwachsenenalter führen.

Humpeln und Schmerzen

Die hauptsächliche Symptomatik einer Erkrankung im Bewegungsapparat zeigt sich durch eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung. Lahmheit, Verspannungen allgemeine Steifheit, Schon- oder Fehlhaltungen sind typisch und werden vom Besitzer in der Regel schnell erkannt.
Chronische Erkrankungen wie z.B. die Arthrose treten vor allem nach längerer Ruhe auf und bessern sich nach einer gewissen Aufwärmung/ Bewegung wieder.

Hält die chronische Erkrankung längere Zeit an, kann die Bewgung permanent eigeschränkt bleiben, was einen dauerhaften Schmerzzustand für das Tier bedeutet.
Von außen sichtbare Gelenkdeformationen sind hierbei keine Seltenheit, da alle am Gelenk beteiligte Strukturen wie Knorpel, Knochen, Bänder und Sehnen betroffen sind. Hierdurch entstehen Abbauprozesse, Schwellungen und Fehlhaltungen.

Am häufigsten treten Arthrosen an Gelenken des Hundes auf, welche der größten Belastung standhalten müssen. Dieses sind in der Regel Knie, Ellenbogen, Hüfte und Schulter. Bei Tieren mit einem sehr langen Rücken wie beispielsweise bei Dackeln, sind dieses auch klassisch die einzelnen Gelenke der Wirbelsäule. Ebenso prädestiniert für die Entwicklung einer Erkrankung sind missgebildete oder falsch belastete Gelenke, da diese meist unregelmäßig belastet und „abgenutzt“ werden.

Einteilung der Gelenkerkrankungen
Unter einer Arthrose wird die chronische Erkrankung eines Gelenkes gefasst, unterscheidet sich nicht von der gleichnamigen Erkrankung beim Menschen und kann jedes Gelenk betreffen. Es ist eine sogenannte degenerative Erkrankung, was bedeutet, dass ein Abbau mit der Erkrankung einher geht – das Gelenk bildet sich mit der Zeit zurück und um. Der Gelenkknorpel wird im Verlauf beschädigt und es können knöcherne Wucherungen auftreten, wodurch der Bereich zunehmend steif und unbeweglich wird.
Die Entwicklung schreitet über einen langen Zeitraum voran, was bedeutet, dass eine frühe Diagnose eine bessere Therapie zulässt und größere Schäden eindämmen kann.

Verantwortlich für den Gelenkrückgang sind ein altersgemäßer Verschleiß der Knochen, aber auch unnatürliche  Fehlstellungen und damit eine dauerhafte falsche Belastung des Bewegungsapparates. Übergewicht, zu starke körperliche Belastung, vorherige Verletzungen und Entzündungen begünstigen weiterhin die Entstehung einer Arthrose. Spezielle Formen der Arthrose sind die Hüftgelenksdysplasie, die Ellenbogendysplasie und die Spondylose der Wirbelkörper.

Von Arthrosen abzugrenzen ist eine Entzündung des Gelenkes eine sogenannte Arthritis, welche vor allem durch Verletzungen entsteht. Bleiben diese Traumen stumpf, was bedeutet und die Gelenkkapsel intakt so können keine keime eintreten und sie sind deswegen nicht infektiös. Infekte entstehen durch das Eindringen von Bakterien, wenn die Gelenkkapsel verletzt ist. Im Verlauf von schweren systemischen Erkrankungen wie Borreliose oder Leishmanniose kann es auch zu infektiösen Arthritiden kommen. Symptome sind starke Schwellungen, die von einer hochgradigen Schmerzhaftigkeit des Gelenkes begleitet werden. Der entstehende Eiter schädigt den Knorpel und die Gelenkflächen massiv, dass einer ausgestandenen Arthritis häufig eine Arthrose folgt.